Die Kantorei Marsberg veranstaltet am Palmsonntag, 29. März 2026 um 17 Uhr in der Propsteikirche ein sehr ungewöhnliches Werk. Aufgeführt werden vom französischen Komponisten César Franck (1822 bis 1890) die „Sieben Worte Jesu am Kreuz“ für vier Solostimmen und Chor in der Fassung für Klavierbegleitung. Ungewöhnlich ist es schon deshalb, weil die Existenz dieser Komposition sehr lange unbekannt war.
Franck schrieb das eindrucksvolle Werk während seiner Amtszeit an der Pariser Kirche St. Clotilde und notierte als dessen Abschlussdatum den 14. August 1859. Derzeit geht die Fachwelt davon aus, dass es zu Lebzeiten des Komponisten nie zur Aufführung gelangte. Erst 118 Jahre später wurde es in Deutschland, und zwar in der Stadt Geislingen, unter der Leitung von Armin Landgraf uraufgeführt. Zuvor hatte im Jahr 1955 die Universitätsbibliothek in Lüttich (Francks Geburtsstadt) aus einer privaten Quelle das 100 Seiten umfassende Autograph (Handschrift) der Partitur erworben, dokumentiert und archiviert, bis es Armin Landgraf im Rahmen seiner Forschung über das kirchenmusikalische Werk César Francks im Rahmen einer Monographie der Fachwelt vorstellte.
Wie an den biographischen Daten des Künstlers abzulesen ist, zählt die Komposition nicht zu seinen Frühwerken. Und doch ist der Stil noch von der klassischen Epoche geprägt, aber durchsetzt mit Elementen der „Großen Oper“. Damit will Franck nicht durch gefällige Alltagsmusik gefallen oder nur das bekannte Geschehen auf Golgatha beschreiben, sondern stößt mit der Vertonung der sieben Worte/Sätze Jesu am Kreuz tiefer in das Geheimnis, in das göttlich abstrahiert Intendierte vor: Heilzusage, Mit-Leiden, Verlassenheit und Not, Erlösung und Gottergebenheit. Damit werden den inneren Empfindungen und dem gläubigem Schauen musikalisch Ausdruck verliehen.
Die Aufführung in der Propsteikirche wird deshalb auch mit den biblischen Quellen in einen größeren Zusammenhang gestellt. Das Publikum soll jederzeit den Gesamtzusammenhang verstehen können. Nicht zuletzt auch deshalb wurde der Palmsonntag als Aufführungstag gewählt – als Vorbereitung auf das österliche Triduum mit der dann umso helleren Freude über die Erlösungstat Jesu Christi.
Das Werk verlangt den Solisten, dem Pianisten und dem Chor höchste Präzision und Ausdruckskraft ab. Dabei hilft es sehr, dass mit dem jungen Propsteikantor Michel Krier ein trotzdem erfahrener Kirchenmusiker mit höchsten Chorleitungsqualitäten die Gesamtleitung innehat. Von ihm ging auch die Initiative und Werksauswahl aus. Zudem wird ein Bechstein-Flügel, der neuerdings in der Propsteikirche seinen ständigen Aufenthaltsort hat, mit diesem Konzert in Betrieb genommen. Das Marsberger Publikum darf sich erneut auf ein tiefgehendes musikalisches wie theologisches Erlebnis freuen. Der Eintritt ist wie gewohnt frei.
